Aus dem Tagebuch eines Namenlosen
Ich erinnere mich noch gut an den kleinen Jungen, den ich während einer dieser mondlosen Nächte im Wald in der Nähe meiner Hütte zusammengekauert fand. Er war barfuß und seine Füße bluteten von den Dornen und Steinen. Die zerrissenen Kleider an seinem Leib waren blutverschmiert und er war über und über mit Schnittwunden. Ich hatte seine Spuren auf einigen moosbedeckten Steinen entdeckt und war ihnen hierher gefolgt. Wahrscheinlich hätte ich Ihn sonst gar nicht gefunden, und eine weitere Nacht allein im Wald hätte er wohl kaum überlebt. Es ist sowieso ein Wunder das er hier überlebt hat, wo die Gefahren des Waldes lauern und die ausgehungerten Wolfsrudel nur darauf warten eine hilflose Kreatur in ihre Klauen zu bekommen. Er war völlig eingeschüchtert und sprach kein Wort. Trotzdem erkannte ich, daß er etwas besonderes sein mußte. Für sein Alter, ich schätze ihn damals auf etwa 8 Jahre hatte er eine auffallend kräftige Statur und seine Bewegungen waren kraftvoll und erhaben. Ich vermutete er kam aus guten Haus denn die Stoffreste, die er an seinem Leib trug waren aus edlem Tuch gewebt und um den Hals trug er eine Kette aus reinem Silber mit einem Medaillon. In diesem Medaillon standen die Buchstaben S.P.Y. eingraviert.
Dies sollte von nun an sein Name sein. Nachdem ich Spy mit in meine Hütte genommen und ihm etwas zu essen gemacht hatte schlief der Junge sofort ein. Obwohl er mich am Anfang mit großer Angst ansah, merkte er das er bei mir in Sicherheit war, und obwohl er sich immer noch fürchtete, übermannte ihn irgendwann die Müdigkeit und er schlief auf dem Bärenfell vor dem knisternden Kamin ein.Ich sah noch lange in die lodernden Buchescheite und fragte mich, was ich nun mit dem Kleinen anfangen sollte. Als ich am nächsten Morgen aufwachte um die Fallen zu überprüfen, schlief er noch tief und fest. Ich hatte seine Wunden mit einer selbst hergestellten Salbe versorgt und sein Gesicht gewaschen. Er hatte die halbe Nacht im Schlaf geschrien und nach seinen Eltern gerufen. Er rief irgend etwas von Monstern und Tod. Es mußte etwas schreckliches mit seinen Eltern passiert sein. Ich vermutete das sie getötet wurden, und er der einzige war, der entfliehen konnte. Wie ich später herausfand war dies wahrscheinlich das Werk von Grottenschraten, denn als ich ihm eines Tages ein von mir gezeichnetes Buch mit verschiedenen Tieren, Pflanzen und Monstern zeigte, begann er, als er die Zeichnung der Grottenschrate sah fürchterlich an zu schreien und lief in den Wald, um sich in der Hütte zu verstecken, die wir gemeinsam gebaut hatte. Es dauerte viele Stunden bis er völlig verängstig zu mir kam und an meiner Schulter in Tränen ausbrach. Das war das einzige was er aus dieser schaurigen Nacht und aus seinem vorherigen Leben wußte. Er konnte sich weder daran erinnern woher er kam, noch wie seine Eltern hießen oder ob er Geschwister hatte. Es schien aber als ob dieser kleine Junge mit dem großen Herzen ganz allein auf dieser Welt war. Also blieb er bei mir. Ich brachte Spy alles bei was er zum Leben brauchte. Ich lehrte ihn Schreiben und Lesen aber auch das Kämpfen mit dem Schwert und das Überleben im Wald. Aber ich lehrte ihn auch den Glauben an Mielikki der Göttin des Waldes, die uns dabei half uns aus dem Wald zu ernähren und uns beschützte während wir schliefen. Wir bauten gemeinsam Fallen und sammelten Bären und Kräuter. Er war ein außerordentlich begabtes Kind und lernte schnell, wobei ihm das Kämpfen immer mehr Spaß machte als das Lernen. Er wuchs schnell und wurde ein prachtvoller, kräftiger Bursche mit Oberarmen wie Baumstämme. Manchesmal wenn er Nacht wieder diesen furchtbaren Traum dieser Nacht hatte, und sich in seinem Bett hin und herwälzte, fragte ich mich ob er jemals herausfinden würde woher er kam und wohin er gehörte.Eines Tages waren wir zusammen im Wald um die Fallen zu kontrollieren. Er war mir wie immer in den letzen Jahren weit voraus, denn ich wurde, auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte, von Jahr zu Jahr gebrechlicher und auch meine Sinne waren nicht mehr so scharf wie seinerzeit, als ich als junger Mann als Kämpfer für das Gute durch die Ebenen zog.Jetzt war er meine Augen und meine Ohren, er war meine Schnelligkeit und meine Kraft.Er öffnete gerade die Falle als Sie aus dem Unterholz hervorbrachen. Es waren drei und ich muß zu meinem Leid eingestehen, daß ich sie erst viel zu spät bemerkte. Es waren Grottenschrate und Sie stürzten sich mit wildem Gegrunze auf uns. Bevor ich meinen Dolch ziehen konnte geschah etwas, daß ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Spy wirbelte plötzlich herum. Seine Instinkte ließen ihn wie immer das Richtige tun. Er zog seine Schwert und stürzte auf die Angreifer zu. Es ging alles so furchtbar schnell, daß ich nicht einmal eingreifen konnte. In seinen Augen war eine Art Wahnsinn und der ganze Haß für den Tod seiner Eltern, der sich nun auf einen Schlag entlud. Nicht nur das er die Kreaturen tötete, sondern er richtete sie fürchterlich zu. Ich hatte ihn noch niemals so gesehen, diesen Jungen, der nun seid 8 Jahren bei mir lebte, und den ich liebte wie meinen eigenen Sohn, den in nie hatte. Nachdem die drei Grottenschrate getötet am Boden lagen sank er zu Boden und fing an zu weinen. Er war über und über mit Blut der getöteten Feinde welches sich mit seinen Tränen mischte. Ich ging zu ihm um ihn zu trösten, und er erschrak, als meine Hand seine Schulter berührte. Dann nahmen wir uns beide in den Arm und gingen schweigend nach Hause ohne uns noch einmal umzudrehen. Am nächsten Tag, bevor die Sonne aufging schnürte er sein Bündel und sagte mir Lebewohl. Obwohl ich wußte, daß der Tag irgendwann kommen würde, war ich trotzdem traurig, denn ich wußte daß ich ihn wahrscheinlich nie wiedersehen würde. Aber ich verstand ihn als er mir mit Tränen in den Augen ein letztes Mal die Hand gab. Er wolle ausziehen um gegen das Böse in der Welt zu kämpfen, und um seine Vergangenheit zu finden, sagte er mir, und ich konnte das nur alzugut verstehen. So ging er ein letztes Mal den schmalen, von Eichen gesäumten Weg hinunter der zu meiner Hütte führte. Auf halben Weg drehte er sich noch einmal um und hob die Hand zum Gruß. Ich wußte er würde mich nie vergessen, und ich würde ihn auch nie vergessen. Meinen Sohn.
3 Kommentare
1. DMP schrieb am 13. Februar 2008 um 12:58) :
…aus dem kleinen Jungen ist ein großer Held geworden… und er wandert immer noch durch Faerun und bekämpft das Böse… ich freue mich, ihn wieder zu sehen!
2. Silas schrieb am 13. Februar 2008 um 19:01) :
Ich bin mir sicher er wird uns eines Tages über den Weg laufen. In einer Taverne, einem Wald oder in einer brenzlichen Situation. Du darfst ihn gerne in eine Geschichte einbauen.
3. DMP schrieb am 14. Februar 2008 um 11:03) :
Ja, im Wald… in “bren”-zlichen Situationen…. als starker Arm eines Druiden- Zirkels, auf der Jagd nach einem Feuerhexer…? Als Rächer der Natur, als starker Arm der Schwachen.
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